15. Dezember – der Esperantotag

Erstes Esperantolehrbuch
Das erste Esperantolehrbuch (Russische Ausgabe), Quelle: Wikipedia
Ludwig Zamenhof, der Begründer Esperantos, wurde am 15. Dezember 1859 geboren. Esperantosprecher nennen deshalb den 15. Dezember Zamenhoftag oder Esperantotag und nutzen ihn häufig, um mit anderen Esperantosprechern in der Weihnachtszeit zusammenzukommen und zu feiern.

Andere Esperantosprecher wollen die Taten eines einzelnen nicht zu sehr hervorheben und schlagen vor, den 15. Dezember Esperanto-Literaturtag oder Esperanto-Buchtag zu nennen. Deshalb regen sie an, dass bei den Veranstaltungen eine Buchbesprechung, vorgetragene Gedichte oder eine Buchankündigung im Programm enthalten sein sollte. Als Einzelner kann man an diesem Tag ein Esperantobuch kaufen oder lesen.

In Österreich finden heuer wieder einige Esperanto-Veranstaltungen rund um den 15. Dezember statt. Ich habe hier Informationen über einige davon zusammengetragen und Links zu den jeweiligen Veranstaltungsseiten gesetzt.

Esperanto spricht doch keiner

Oder: Wie ich zu Esperanto kam

Ich kann mich noch an den Tag erinnern, als ich beim Zimmeraufräumen ein altes Sparefroh-Heft aus meiner Volksschulzeit gefunden habe. In diesem Heft war ein Artikel über Esperanto. Ich war fasziniert von der Idee einer gemeinsamen neutralen Zweitsprache, die Menschen mit unterschiedlicher Muttersprache miteinander verbindet und die noch dazu leicht erlernbar ist. Damals plagte ich mich gerade mit den Irregular Verbs und den verschiedenen Zeitformen des Englischen. Außerdem war da noch Latein.

Für mich war jedenfalls klar, dass ich Esperanto lernen wollte. Eine leicht erlernbare Zweitsprache für jeden – diese Idee wollte ich unterstützen. Leider gab es im Artikel keinen Hinweis, wie ich Esperanto lernen könnte. Das Internet hat es damals noch nicht in der heutigen Form gegeben. So blieb zunächst nur der Wunsch, die Sprache zu lernen. Hin und wieder las ich in Zeitungen einen Leserbrief, in dem Esperanto als Lösung für Sprachprobleme vorgeschlagen wurde.

Sprachführer "Esperanto für Globetrotter"Einige Jahre später, im Jahr 1992, ging ich in eine Buchhandlung, um für ein Deutsch-Referat ein bestimmtes Buch zu suchen. Zufällig stieß ich dabei auf den Sprachführer „Esperanto für Globetrotter“ von Klaus Dahlmann und Thomas Pusch. Ich überlegte ein wenig, ob ich mir den Sprachführer kaufen sollte. „Esperanto spricht doch sowieso so gut wie keiner“, dachte ich mir damals. „Wenn ich Esperanto nicht lerne, bleibt das auch so“, war die Antwort des Teils meines Gehirns, der von der Idee des Esperanto überzeugt war. Schließlich kaufte ich mir den Sprachführer und in den darauf folgenden zwei Jahren lernte ich damit Esperanto. Weil ich mit niemanden in Esperanto üben oder sprechen konnte, machte ich immer wieder große Pausen. Der Sprachführer enthielt Bilder von Esperanto-Treffen, die mich zum Weitermachen motivierten. Ich hoffte, eines Tages selbst mit jemanden in dieser Sprache zu sprechen.

Zunächst wollte ich Esperanto nicht nur lesen, sondern auch hören. In dem Sprachführer war ein Hinweis auf die Esperanto-Sendung von Radio Österreich International (RÖI), das damals noch auf Kurzwelle sendete. Die wöchentliche Sendung in Esperanto dauerte eine halbe Stunde und wurde zweimal ausgestrahlt. Man konnte also eine Stunde Esperanto pro Woche im Radio hören. An irgendeinem Wochenende schnappte ich mir das alte Radio aus dem Zimmer meines Vaters und suchte die Frequenz von RÖI. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wann die Sendung zu hören war. Als plötzlich Wörter in Esperanto aus dem Lautsprecher tönten, wurde mir klar, dass ich rein zufällig zur richtigen Zeit die richtige Frequenz gefunden hatte. Ab diesem Zeitpunkt hörte ich regelmäßig die Esperanto-Sendung von RÖI.

Der Sprachführer verriet auch, dass es in Wien ein Esperanto-Museum gab. 1994 war es dann so weit: Bei einem ganztägigen Schulausflug nach Wien gaben uns die Lehrer 1-2 Stunden freie Zeit. Ich ging nicht mit meinen Schulkollegen in den Prater, sondern ich besuchte mit einem befreundeten Schulkollegen das Esperanto-Museum. Dort erhielt ich weitere Informationen über Esperanto-Vereine in Österreich, Esperanto-Treffen usw. Im Oktober 1994 nahm ich schließlich an meinem ersten Esperanto-Teffen teil und zum Jahreswechsel 1994/95 war ich bei einem Esperanto-Treffen mit 200-300 Jugendlichen aus der ganzen Welt. Esperanto funktionierte; ich konnte mich in Esperanto flüssig unterhalten, nachdem ich die Sprache nur zwei Jahre lang – mit großen Pausen – gelernt hatte. Und siehe da, es sind doch nicht so wenige, die Esperanto sprechen.